Mittwoch, 1. Juli 2020

Nie wieder Amazon ...

Mein Shop bei Amazon

Nachdem ich 2014 meine drei Flamenco-Technik-Bücher im Eigenverlag veröffentlichte, begann ich mit dem Direktvertrieb (Webshop), parrallel dazu übernahm einen Musik-Großsortimenter den Vertrieb an den Musikalienfachhandel und 2015 richtete ich ein Verkäuferkonto auf Amazon-Marketplace ein. Erst national, dann pan-europäisch. Nachdem ich mühsam alle drei Bücher mit ausführlicher Beschreibung, reichlicher Bebilderung, mit ASIN, SKU, ISBN und allem Amazon-Pipapo eingestellt hatte, kamen nach kurzer Zeit irgendwelche Geier, die meine Bücher plötzlich auch im Angebot hatten.

Produkte bei Amazon verkaufen

Nun ist es bei Amazon so, dass irgendein Verkäufer aus Buxtehude, Novosibirsk, oder LangFing einen Artikel übernehmen kann, diesen dann auch in seiner Beschreibung abändern, eine andere Nummer hinzufügen, oder auch den Preis ändern kann, wie er will. Plötzlich konnte ich die eingepflegten Daten für eines von den drei Bücher nicht mehr bearbeiten. Seit Jahren mache ich nun mit Amazon rum, dass ich doch bitte meine Bücher selber verwalten möchte. Es endete darin, dass ich Sendungen an Amazon schickte, die dann dort auch laut Lagerbestand vorhanden waren, aber es konnte kein Produkt-Angebot erstellt werden, da die Nummer, der Titel mit meiner ISBN schon vorhanden war.

Andererseits musste ich dann mitansehen, wie irgendwelche Spackos mein Buch, das ich für 15,90 € verkaufe, mit meiner ISBN/Asin-Nr. für 179,10 € auf Amazon anbieten.



Kommunikation mit Amazon

Um mit Amazon zu kommunizieren, gibt es nur eine Möglichkeit - man muss ein Fall- oder Antragsprotokoll eröffnen. Darauf antwortet dann zwischen 1 - 48 Stunden irgendein Hirni, mit Copy&Paste-Textbausteinen, auf das Problem wird eigentlich nie eingegangen. Ich vermute sogar, dass man mit einem Computer korrespondiert. Lässt man nicht locker, also antwortet immer wieder, so 10 - 20 mal, meldet sich mal eine Person, manchmal auch telefonisch, die auf kompetent macht. Durch die miserable Sprachverständlichkeit und das schlecht gesprochene Deutsch dieser Support-Menschen, vergeht einem nach wenigen Minuten die Lust alles wieder von vorne zu erzählen und legte irgendwann verzweifelt den Hörer auf. Es endet letztendlich eh damit: „Ogäi, isch leite weitr an hehere Stelle“. Nun wird der Fall geschlossen und man wartet auf die Lösung der höheren Instanz. Diese verweist dann auf die <Hilfe>, und/oder postet Textbausteine aus der <Hilfe>, die man eh schon stundenlang gelesen hat. Nun lässt sich dieser Fall nicht wieder öffnen und man muss ein neues Ticket aufmachen. Wohlgemerkt - es antwortet nie dieselbe Person, bzw. nie mit dem selben Namen. D.h., nie ist irgendjemand verantwortlich/zuständig, was im vorigen Fall besprochen wurde. Es ist also ein Kreislauf ohne Ende und man beginnt immer wieder von vorne. Letztendlich wurde mir mitgeteilt, dass mein Artikel nicht geändert werden kann, obwohl er sich am Lager befindet. Punkt - basta. Ich konnte es immer noch nicht glauben, dass meine Bücher, die ich erstellt habe, die ich drucken ließ, die nur ich verkaufe, bzw. nur ich wissen kann, wer sie weiterverkaufen könnte, nicht bei Amazon zum Verkauf angeboten werden können. Das zieht sich nun seit Oktober 2018.

Sendungen an Amazon

Wenn der Lagerbestand bei Amazon zu Ende geht, wird man aufgefordert diesen aufzufüllen. Man erstellt also ein Sendung, die dann irgendwo an einen der Amazon-Standorte, durchaus auch mal Polen, verschickt wird. Nach ein paar Tagen wird die Ankunft der Sendung bestätigt. Es ist öfters der Fall, dass dann ein oder mehrer Artikel nicht verkäuflich sind wegen Beschädigung. Hallo - ich verschicke meine Bücher immer in extra gekauften Bücher-Kartons, die alle Buchhändler etc. verwenden. Auch sind meine Bücher direkt aus der Druckerei in einwandfreiem Zustand. Anyway. Nun gibt es zwei Optionen: a) Will man die Ware zurück haben, oder b) soll sie vernichtet werden. Die Rücksendung kostet natürlich Porto. Die Ware wird schlecht verpackt zurückgesendet, bzw. kommt hier in einem grausamen Zustand an, dass sie nun wirklich nirgendwo mehr zum Verkauf angeboten werden kann. Verzichtet man auf die Rücksendung, kann es schon passieren, dass in wenigen Tagen irgendein Anbieter genau dieses, mein Buch, bei Amazon günstig „gebraucht“ anbietet. Vielleicht war es in meinem Fall auch nur Zufall.

Geschäftspraktiken bei Amazon

Logischerweise ist nichts umsonst. Dass Amazon für seine Dienste sich entlohnen lässt, ist verständlich. Inzwischen ist der Anteil der Marketplace-Händler auf 68% des Gesamtumsatzes gestiegen. Amazon macht also über zwei Drittel seines Umsatzes mit Drittanbietern, die kräftig durch Abgaben, Gebühren und sonstigen Schikanen (quasi Miete plus Mietnebekosten) zur Kasse gebeten werden. Für jeden Button-Klick verlangt Amazon eine Gebühr. Es gibt zwei Möglichkeiten als „Kleiner“ bei Amazon zu verkaufen: 1) Die Artikel werden bei Amazon in der entsprechenden Kategorie nur gelistet. Die Bestellungen wickelt man dann selbst ab und verschickt die Ware direkt an den Kunden. Nachteil - man muss sich mit dem Kunden rumschlagen, nach Amazon-Vorgaben, also auch Rücksendungen entgegennehmen und man ist mit seinem Artikel im Ranking ganz weit hinten, mit anderen Worten, man wird überhaupt nicht gefunden und verkauft dadurch quasi gleich null 2. Die andere Möglichkeit ist Versand durch Amazon: man sendet eine bestimmte Artikelanzahl an eines der Auslieferungslager von Amazon, alles Weitere, also Versand, Rücksendungsabwicklung wird dann von Amazon erledigt. Diese Variante lässt sich der Mogul aber ordentlich was kosten. So sind neben der Verkäufergebühr noch folgende Gebühren fällig:

Titel: Flamenco Guitar Technics Vol. 2: Picados - Escalas - Ligados
Verkaufspreis: 15,90 €
Amazon Verkaufsgebuehr: (Std DE Domestic) 4,84 €
Std DE Domestic Versandkostenzuschuss: 3,00 €
Amazon Verkaufsgebuehr: (Exp DE Domestic) 6,41 €
Exp DE Domestic Versandkostenzuschuss: 13,50 €
Amazon Verkaufsgebuehr: (Std DE EU) 4,84 €
Std DE EU Versandkostenzuschuss: 3,00 €
Amazon Verkaufsgebuehr: (Std DE Europe) 6,34 €
Std DE Europe Versandkostenzuschuss: 13,00 €
Amazon Verkaufsgebuehr: (Std DE-ROW) 6,71 €
Std DE-ROW Versandkostenzuschuss: 15,50 €
Zustand: Neu

Schickt man eine große Anzahl von Artikeln in einer Sendung an das Auslieferungslager, spart man zwar Porto. Wenn aber die Artikel nicht in einem bestimmten Zeitraum verkauft werden, verlangt Amazon kräftig Lagergebühren. Egal was man macht - Amazon ist immer der Winner.

Ende - Schluss - aus!

Letzte Woche war mir dann alles zu blöd. Ich hatte keine Lust mehr mich mit dieser neokapitalistischen Krake auseinander zu setzen. Zumal mir dieser Mogul eh gegen denn Strich geht und im Grunde genommen will ich sowieso keine Geschäfte machen mit Personen, oder Firmen, deren Praktiken ich ethisch gar nicht vertreten kann. Egal ob einkaufen, oder verkaufen. 

Seit letzte Woche versuche ich nun mein Konto aufzulösen. Zuerst sagte mir ein Alert, dass ich noch 1,19 € zu begleichen hätte. Okay - ich versuchte dies mit meiner bei Amazon hinterlegten Bank, auf die mir immer meine Verkäufe überwiesen wurden. Dies war nicht möglich. Das Problem ist, dass bei einer Fehlermeldung nie empfohlen wird, was zu tun ist, oder der Alert eine Lösung anbietet. Also wieder schreiben. Nach Tagen hin und her wurde mir mitgeteilt, dass dies nur mit Kreditkarte ginge, sonst könnte ich mein Konto nicht auflösen. Also jetzt noch zum Schluß auch noch meine Kreditkarten-Daten an diese Wegelagerer schicken. Gesagt - getan. Wiederum wurde mir nun signalisiert, dass immer noch ein Minussaldo bestehe. Also wieder schreiben. Nach 3 Tagen erhielt ich die Antwort, der schon wieder drei Posts vorausgegangen sind, dass in meinem italienischen Store noch ein Minus-Saldo von 0,01 Cent bestehe, weshalb keine Kontoauflösung möglich wäre. Italienischer Store??? Da wurde mir immer nur überwiesen, was verkauft wurde. Anyway - wiederum ließ ich 0,01 Cent von meiner Kreditkarte abbuchen. Jetzt aber - endgültig Schluss! Von wegen - jetzt kommt noch ein Alert:


Fazit

Ja, ich weiss - ich bin eben nur ein kleiner Fisch. Aber dieses Haifischbecken muss ich mir nicht wirklich geben. Mal abgesehen davon, wie die Belegschaft behandelt wird, keine Tarifverträge und dass dieser Versandhandel in der EU erheblich weniger Steuern bezahlt als Connys Pommesbude am Schorndorfer Bahnhof, sollte man sich schon genau überlegen, ob man dem 100-Milliarden-Mann namens Bezos das Geld weiterhin in den Hintern schiebt. Sei es durch Kaufen, oder Verkaufen bei Amazon.

Nachtrag 02. Juli

Ich habe natürlich keinen Einfluss darauf, dass meine Publikationen, die in anderen Verlagen erschienen sind und Händler, die weiterhin meine Pubs über Grossisten beziehen, bei Amazon verkauft werden. Dagegen ist man machtlos.
 

Samstag, 13. Juni 2020

Cumbre Flamenca 1986 (Madrid)

Cumbre Flamenco 18.-27.04.1986 (Madrid)

Der Gründer der Biennale (Sevilla) José Luis Ortiz Nuevo, der noch als Links-Oppositioneller in Franco´s Gefängnissen saß, leitete das Festival in Sevilla bis 1996, mit Ausnahme des Jahres 1986. In jenem und dem Folgejahr organisierte er im Auftrag des Ministerio de Cultura die Cumbre Flamenca in Madrid. Über eine Woche konnte ich damals an diesem Festival teilhaben, in dem nur die absolute Spitze (Cumbre) der Flamenco-Szene auftrat.

Ich erinnere mich noch sehr gut, dass es in dieser Aprilwoche außergewöhnlich kalt war in Madrid. Die einzige Möglichkeit sich aufzuwärmen war in den Bars, der Metro, oder wenn ich am Esstisch meiner Freunde, unter dem ein „Brasero de gas“ die Beine wärmte, saß. Oder eben in den Konzertsälen, die von Akteuren innerhalb kurzer Zeit zum zum Kochen gebracht wurden:

Los Pelaos, Los Parrillas de Jerez, María la Burra, La Paquera, Enrique Morente, Chano Lobato, La Tati, Bernarda y Fernanda de Utrera, Mario Maya, Ana Parrilla, La Tolea, El Curro, Pedro Bacan, Paco de Lucía … und viele mehr waren von 18. bis 27. April zu sehen und zu hören.
Auch Konferenzen und Diskussionsrunden rund um das Thema Flamenco wurden zahlreich angeboten: Música flamenca, Juventud y Creación, El Flamenco en Madrid. Und - für damaligen Zeiten eine interessante Veranstaltung Nueva técnica de afinar guitarras (neue Technik des Gitarrenstimmens), bei der ich erst am Schluß bemerkte, dass ich den ganzen Abend neben Pepe Habichuela saß. Am Ende des Vortrags konnte ich dann den äußerst sympathischen Menschen näher kennenlernen.

Montag, 8. Juni 2020

Soundslice



Der Noteneditor und die Notendarstellung lässt zwar etwas zu wünschen übrig. Aber Soundsclice ist ne coole Sache - und das Ganze webbasiert!! Man benötigt also kein Programm sondern kann alles im Browser editieren.

Übrigens: Den synchron-mitlaufen Cursor im Notenbild realisierte ich schon vor 15 Jahren in meinen DVDs. Mit dem Animationstool „Motion“ war das eine sehr zeitintensive und knifflige Arbeit.

Sonntag, 19. Januar 2020

Flamencogitarre Workshop 2020 (Abgesagt)

Flamenco-Gitarrenkurs in Schorndorf mit Gerhard Graf-Martinez (Abgesagt)

Zum sechzehnten Mal finden mein Gitarrenkurs mit Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet und angrenzenden Ländern statt.

Termin: 21. - 24. Mai 2020 - Weitere Information und Anmeldeformular
4 Tage: Donnerstag (Himmelfahrt) bis Sonntag (parallel zu den Schorndorfer Gitarrentagen).



••• Weitere Information und Anmeldeformular •••




Donnerstag, 12. Dezember 2019

Weihnachtslied „Süßer die Glocken nie klingen“ als Bulerías

In Spanien heißen die Weihnachtslieder Villancicos, oder villancico navideño. Unser deutsches Lied „Süßer die Glocken nie klingen“ wird auch in Andalusien gesungen und ist dort als Nunca suenan las Campanas con tan dulce claridad, oder Dulce sonar de Campanas, oder Nunca tañen las Campanas bekannt.
Hier meine Fassung im Compás der Bulerías:


Ich wünschen Ihnen/Euch allen Frohe Weihnacht.

Auf YouTube direkt (rechts unten im Video auf YOUTUBE klicken) ist das Video in UltraHD (4K9 zu sehen. Viel Spaß.

Donnerstag, 14. November 2019

Tanguillos aus dem Jahre 1994

Mein Titel La Caleta, aus dem Jahre 1994, ist bei mir total in Vergessenheit geraten. Ich kreierte ihn damals auf meiner self-made Gitarre N°4, die ich jetzt, um den Titel neu aufzunehmen, auch wieder aus dem Gitarrenkoffer holte.



„La Caleta“ ist der kleine Strand in der historischen Altstadt Cádiz, wo eben auch der Tanguillos herkommt. Hier eine etwas moderne Spielart, des beschwingten Rhythmus aus Caí.

Samstag, 5. Oktober 2019

FlamencoPercusión - 2. Edition

Nach langer Zeit ist nun endlich ein Update meiner FlamencoPercusión erschienen. FlamencoPercusión sind Vorlagen für Logic™ und Garageband™ auf dem Mac, sowie Garageband auf dem iPhone und dem iPad.



Jede Vorlage enthält mehrere Tracks mit vorgegebenen Rhythmen zu denen geübt werden kann, oder mit denen Aufnahmen gemacht werden können. Auch können aus den Tracks völlig neu Rhythmus-Gebilde, oder Arrangements kreiert werden.

Das jeweilige Bundle enthält sogenannte Projects mit folgenden Palos (Gattungen im Flamenco):

  1. Bulerías
  2. Alegrías
  3. Fandango de Huelva
  4. Rumba
  5. Tangos
  6. Siguiriyas
  7. Sevillanas

Nähere Informationen und viele Video-Beispiele sind auf meinen Flamenco-Seiten zu finden.



Sonntag, 7. Juli 2019

Graf-Martinez-Trio - live

Playlist Graf-Martinez Trio (Live)


Unser Konzert bei den Schorndorfer Gitarrentagen 2019 wurde komplett in 4K-Qualtität aufgezeichnet. Dank an Martin Minner für die Bereitstellung des Footages.



Dienstag, 7. Mai 2019

Partitur zum Üben für das Abschlusskonzert

Schorndorfer Gitarrentage - Flamenco-Workshop

Ein Höhepunkt der Schorndorfer Gitarrentage ist im das Abschlusskonzert der Kursteilnehmer. Von 17.00 bis 22.00 Uhr stehen Gitarristen*innen, Bassisten*innen auf der Bühne, um ihr Gelerntes vorzutragen. Da die Zeit während des Kurses nicht ausreicht, um sich darauf vorzubereiten, werden schon vorab Notenblätter an die Teilnehmer geschickt. Hier die erste Partitur für meinen Flamenco-Workshop.


Übrigens - es sind noch wenige Plätze frei.



Mittwoch, 20. März 2019

Flamenco-Gitarrenschule für Generationen

25-jähriges Jubiläum der zweibändigen Flamenco-Gitarrenschule von Gerhard Graf-Martinez



Vergrößern - auf Foto klicken.


„Sie hören von uns“

Genau vor 25 Jahren hielt ich das erste gedruckte Exemplar meiner Flamenco-Gitarrenschule in der Hand. Das Manuskript zu diesen beiden Bänden entstand in den 1980er Jahren, als Unterrichtsmaterial zu den unzähligen Workshops, die ich zu dieser Zeit im gesamten Bundesgebiet und angrenzenden Ländern abhielt. Irgendwann, in einen Workshop, meinte ein teilnehmender Gitarren-Dozent, dass man dieses Material veröffentlichen sollte. Monate später besuchte ich mit ihm den Musikverlag Schott in Mainz. Ich versprach mir nicht viel davon,  legte aber trotzdem erwartungsvoll dem zuständigen Lektor (heute nennt man das Produktmanager), meinen Blätterstapel vor. Er schaute sich alles an und meinte: „Toll - sie hören von uns“. Damit war für mich die Sache erstmal erledigt. Es verging eine geraume Zeit, genauer gesagt drei Jahre, bis sich dieser Mensch wieder bei mir meldete und mich fragte, ob ich nach Mainz kommen könnte.

Von der Schreibmaschine zum Computer

Während der Erstellung meiner Manuskripte überlegte ich immer wieder, wie man das Gespielte korrekt auf das Notenblatt bringen könnte. Lange hegte ich den Traum, dass mein Computer, den ich schon seit 1984 als moderne Schreibmaschine nutzte, die Töne aus meinem Schallloch umwandeln kann, um sie dann mit dem Apple-Pinwriter (Nadeldrucker) auszudrucken. Ein Traum, der bis dato nicht so
richtig in Erfüllung ging. Durch diesen Apple MacIntosh IIc, mit einem monochromen Greenscreen (Auflösung: 280×192) und zwei Floppy-Disc-Drives (Diskettenlaufwerke), wagte ich mich dann tatsächlich ans Schreiben heran. Mit meinen Schreibmaschinenkenntnissen (10-Finger-System) konnte ich relativ flott schreiben. Doch nun konnte man Fehler ohne Tippex korrigieren, ja sogar ganz Sätze verschieben, umgestalten, löschen, kopieren, oder wieder neu beginnen, ohne ein Blatt Papier wegzuwerfen. Das war eine große Errungenschaft, vor allem für Laien-Autoren wie mich. Mit diesem Mac schrieb ich auch meine erste Workshop-Reihe für das Musikblatt, das von Wieland Ulrichs in Göttingen herausgegeben wurde. Nebenbei hatte ich noch einen C64, eigentlich zum Gaming und für erste Programmierversuche. Auf diesem Teufelsding lief auch die Music-Software von C-Lab (Emagic), eine Firma aus Rellingen bei Hamburg, aus der später Logic (seit 2002 Apple) entstand. Aber das war alles nicht verwendbar um Noten so darzustellen, wie man es von den Notenstechern her kannte. 1988 entdeckte ich schließlich ein sensationelles Notensatz-Programm, das von einem Musik-Professor an der Stanford University namens Leland Smith entwickelt worden war. Mit diesem Programm, das auf PostScript basierte, konnte man Noten nach den vorgegeben Konventionen darstellen und ausdrucken. Leider lief dieses Programm nur auf MS-DOS, dem ersten Betriebssystem von Microsoft. Also musste ein PC her. Diese Software namens Score kostete damals über 2000 DM und um es zu erlernen waren Schulungsbesuche unabdingbar. Zumal die Handbücher natürlich alle in Englisch waren. Nächtelang begann ich mich mühsam in das Programm einzuarbeiten, das nur auf Parameter-Eingabe bestand, ohne Maus.

Desktop Publishing

Als ich dann von Schott zum ersten Gespräch nach Mainz eingeladen wurde, konnte ich schon Ausdrucke vorlegen und schlug vor, die Noten komplett selbst zu erstellen. Das war für die Herren kein Problem, da im Hause Schott schon lange „Score“ verwendet wurde. Die Konferenzrunde war sich einig, dass eine zweibändige Flamenco-Gitarrenschule von Graf-Martinez herausgebracht wird, deren kompletten Erstellung (Layout, Noten, Fotos, Grafiken) vom Autor selbst durchgeführt wird, auch die Lieferung eines Masters für die CD. Glückselig fuhr ich nach Hause und stellte in den folgenden Tagen zusammen, was ich alles für die Herstellung benötigte. Da das Notenprogramm nur auf PC lief, musste ich leider, wie schon erwähnt, von Mac auf PC umsteigen. Für die Erstellung des Buches benötigte ich noch ein DTP-Programm (Desk Top Publishing), dessen Wahl zu dieser Zeit auf den populären Ventura Publisher fiel. Für die Aufnahmen benötigte ich zudem noch ein Soundkarte. All dies, Hard- und Software, waren zu diesem Zeitpunkt enorm teuer. Glücklicherweise verkaufte ich genau
zu diesem Zeitpunkt meinen Gitarrengeschäft und konnte dadurch diese Investition im unteren fünfstelligen DM-Bereich stemmen. Um das zu verstehen, ein kurzes Zahlenbeispiel. In meinem PC befand sich eine 20-MB-Festplatte, eine weitere kostete damals ca. 800 DM, eine schnelle SCSI-Platte fast das Doppelte. Ein Laserdrucker annähernd 2.000 DM und die dazu benötigte PostScript-Karte nochmal 800 DM. Ärgerlich war, dass im Grunde genommen nichts richtig funktionierte. Abstürze und Datenverluste waren alltäglich. Die DTP-Profis arbeiteten alle auf Macs von Apple - aber ich musste wegen des Notenprogramms auf dem dämlichen PC arbeiten. Das Ganze wurde mit Einführung von Bill Gates' Windows etwas angenehmer, der Ärger über diese Firma aber blieb - nichts war wirklich gut.

Von dem Tag an, als ich bei Schott zum ersten Mal vorsprach, bis zur eigentlichen Veröffentlichung vergingen ganze fünf Jahre. Da ich zu dieser Zeit mit mehreren Flamenco-Gruppen und meiner heutigen Frau, der Tänzerin Lela de Fuenteprado viel unterwegs war, „nebenbei“ auch noch zweifacher Familienvater war, schritt zum Einen die Autorenarbeit langsam voran, zum Anderen tickten die Uhren bei Schott anders als bei mir.

Inhalt


Der gesamte theoretische Teil in beiden Bänden nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Man muss bedenken, dass es zu dieser Zeit weder Internet, noch Wikipedia gab, wo man eben mal kurz eine Information abgreifen konnte. Um damals dieses Wissen überhaupt erlangen zu können, musste man viele Bücher lesen, die damals gar nicht so einfach zu finden waren. In deutscher Sprache gab es fast gar nichts. Selbst in Spanisch war ganz wenig zu finden - die Spanier selbst wussten über ihren Flamenco am allerwenigsten. Zu dieser  Zeit etablierten sich allmählich sogenannte „Flamencologen“, die ihr Wissen jedoch erst später niederschrieben, bzw. publizierten. Man musste sich in der anglo-amerikanischen Literatur und in den Geschichtsabteilungen der Stadt- und Landesbibliotheken umschauen, um an konkretes Wissen zu kommen. Alles, was ich irgendwie an Material über Flamenco finden konnte, ob in Madrid, Andalusien, England oder USA, kaufte ich und konnte dadurch im Laufe der Zeit auf ein stattliches Archiv an Büchern, Schallplatten und Noten zurückgreifen. Zu Recht kann ich behaupten,  dass das erste größere spanisch-deutsche Flamenco-Glossar in meinem Band 1 nachzuschlagen ist. Flamenco-Gitarrenlehrwerke gab es zwar, aber ohne jegliche didaktische, bzw. pädagogische Struktur. Die Musik, der Tanz wurde immer „nur“ mündlich/händisch weitergegeben. „Mano a mano“ wie man im Spanischen sagt. Einen Rhythmus einer bestimmten Gattung (Palo) konnte niemand erklären. Wenn - dann gab´s komische Zählweisen wie z.B.:

  1 + 2 + 3 + a 4 + a 5 + 

Auch kann ich heute behaupten, dass ich einer der Ersten war, der versuchte, eine verständliche Zählweise im Flamenco zu etablieren. Die Logik der Reloj del Flamenco (Flamenco-Uhr) stammt nicht von mir, sondern von Andrés Batista. Aber ich war derjenige, der das erste Flamenco-Metronom im Jahre 1986 entwickelte und auf den Markt brachte. Nun konnte man obiges Beispiel der Siguiriyas in der Uhr darstellen:

8 9 10 11 12 1 2 3 4 5 6

und alle anderen Palos:

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 



Autor, Komponist, Notensetzer, Grafiker, Layouter

Neben der Strukturierung des theoretischen Wissens und Erfahrungen aus der Praxis in Madrid und Andalusien, musste ich ja auch noch die einzelnen Tonbeispiele kreieren, bzw. überarbeiten, so dass eben ein pädagogisch und didaktisch gut aufgebautes Werk entstehen konnte. Ein großer Vorteil war, dass ich eben Autor, Komponist, Notensetzer, Grafiker, Layouter in Einem war. Wer schon mal ein Musiklehrwerk geschrieben hat, weiss, dass es einer exakten Planung bedarf, da eben Text, Noten und Fotos miteinander korrespondieren sollten und mit dem Layouter nicht immer alles durchsetzbar ist. Oft war es schwierig, oder gar unmöglich ein Kapitel zu ändern, oder dass zu den Notenzeilen auch der entsprechende Text gesetzt, bzw. verschoben werden musste - usw., usf. Dies konnte ich alles freizügig gestalten, ohne dass irgendjemand meckerte, oder sich weigerte, oder mir Grenzen setzte. Dadurch entstand ein rundes, gut aufgebautes Lehrwerk, das letztendlich weltweit gelobt (Pressestimmen), mehrfach ausgezeichnet und auch gut verkauft wurde/wird.

Englisch und DVD


Die Amerikaner übertreiben natürlich gerne.
Nachdem acht Jahre später beide Bände ins Englische übersetzt wurden, schossen die Verkaufszahlen in die Höhe. Wesentlichen Anteil daran hatten die von Schott eingesetzten Distributoren in USA, anfangs Warner Bros. und später Hal Leonard. Der Verkaufserfolg wurde nochmals erheblich gesteigert, als ich im Jahre 2004  die DVDs zu den beiden Volumes produzierte, die mehrmals von kompetenten Didaktik-Institutionen und -Organisationen prämiert, bzw. ausgezeichnet wurden. Auch diese Produktion, inklusive Video/Audio-Recording,
Video-Cutting, Compositing wurde von mir eigens in meinem spärlich eingerichtet „Video-Studio“  durchgeführt.


Dank


Erwähnen, bzw. bedanken möchte ich mit bei meinem langjährigen Lektor von Schott (Schott Music gehört heute zu den weltweit führenden Musik- und Medienverlagen - gegründet 1770) Herrn Klaus Koop, der mit mir eine Eselsgeduld hatte, von dem ich viel gelernt habe während meiner Schreiberei und der freudig und interessiert mein Wissen über den Flamenco lektorierte. Auch herzlichen Dank an den Cheflektor Dr. Mohrs, sowie an den PreMedia-Leiter Herrn Schlesinger. Leider ging Herr Koop (Klaus) schon vor Jahren in den Ruhestand.


Posts, Tweets und Messages zum Fünfundzwanzigsten

Sehr gefreut habe ich mich über jüngste Zuschriften, bzw. Posts und Tweets zum 25-Jährigen meiner Bücher. Stellvertretend für viele seien hier ein paar genannt:


Der mehrfach ausgezeichnete und international bekannte Gitarrist Sigi Schwab via AB:
„Ich wollte dir  gratulieren zu deiner Arbeit.  Ich finde es bewundernswert, was du da auf die Beine gestellt hast. Herzlichen Glückwunsch - du machst eine ganz tolle Arbeit für die Gitarrengemeinde“.
Der Gitarrist Rehan Syed:

Ist ja auch einer der wenigen Schulen die was taugen! Leider fehlte mir die nötige Zeit um es auf ein gutes Niveau zu bringen, aber es hat trotzdem mein Gitarrenspiel in meinen eigenen Kompositionen bereichert. Also vielen Dank für diese Bücher!


Die inzwischen exzellente Gitarristen Maximilian Wichert„Danke, dass Du mir den Einstieg in die Flamencowelt ermöglicht hast.“ und  Shahin Valizadeh. Hier spielen sie meine Rumbita aus dem ersten Band im Duo.

Oder hier - Sahin solo:



So spielt man in Indien meine „Rumbita“:






In meinem YouTube-Channel sind noch weitere Gitarristen*innen aus der ganzen Welt zu sehen/hören, die Titel, Übungsstücke, oder Lektionen aus meinen Publikationen spielen.




Sonntag, 18. November 2018

Flamenco-Workshop bei den Schorndorfer Gitarrentage.

Schorndorfer Gitarrentage vom 29. Mai - 2. Juni 2019

Nach 24 Jahren bin ich wieder mit Flamencogitarre bei den Schorndorfer Gitarrentage, die ich 1990 zusammen mit Eberhard Abele (Kulturforum) gründete, dabei.




Der Kurs ist für Flamenco-Einsteiger - also GitarristenInnen, die schon einige Zeit Gitarren spielen und die Grundtechniken der Flamencogitarre erlernen möchten. Also - nichts für Gitarrenanfänger und bitte nur Nylon-Gitarren mitbringen. Flamenco geht nicht auf Stahlsaiten und auf „Stromgitarren“ schon gar nicht.

Näheres und Details zum Workshop siehe meine Web-Seite Flamenco-Kurse und Workshops.

Mein Flamenco Gitarre Workshop, der regelmäßig seit 2014 hier in Schorndorf stattfindet und inzwischen wieder zu Institution wurde, findet 2019 leider nicht statt. Eventuell im Herbst/Winter als Wochenendkurs, oder dann eben wieder 2020.

Der Erfinder des Flamenco-Metronoms

Das Flamenco-Metronom wurde nicht in Spanien erfunden, sondern hier in Deutschland, in Schorndorf (Region Stuttgart) im Geburtsort von Gottl...