Nie wieder Amazon ...

Mein Shop bei Amazon

Nachdem ich 2014 meine drei Flamenco-Technik-Bücher im Eigenverlag veröffentlichte, begann ich mit dem Direktvertrieb (Webshop), parrallel dazu übernahm einen Musik-Großsortimenter den Vertrieb an den Musikalienfachhandel und 2015 richtete ich ein Verkäuferkonto auf Amazon-Marketplace ein. Erst national, dann pan-europäisch. Nachdem ich mühsam alle drei Bücher mit ausführlicher Beschreibung, reichlicher Bebilderung, mit ASIN, SKU, ISBN und allem Amazon-Pipapo eingestellt hatte, kamen nach kurzer Zeit irgendwelche Geier, die meine Bücher plötzlich auch im Angebot hatten.

Produkte bei Amazon verkaufen

Nun ist es bei Amazon so, dass irgendein Verkäufer aus Buxtehude, Novosibirsk, oder LangFing einen Artikel übernehmen kann, diesen dann auch in seiner Beschreibung abändern, eine andere Nummer hinzufügen, oder auch den Preis ändern kann, wie er will. Plötzlich konnte ich die eingepflegten Daten für eines von den drei Bücher nicht mehr bearbeiten. Seit Jahren mache ich nun mit Amazon rum, dass ich doch bitte meine Bücher selber verwalten möchte. Es endete darin, dass ich Sendungen an Amazon schickte, die dann dort auch laut Lagerbestand vorhanden waren, aber es konnte kein Produkt-Angebot erstellt werden, da die Nummer, der Titel mit meiner ISBN schon vorhanden war.

Andererseits musste ich dann mitansehen, wie irgendwelche Spackos mein Buch, das ich für 15,90 € verkaufe, mit meiner ISBN/Asin-Nr. für 179,10 € auf Amazon anbieten.



Kommunikation mit Amazon

Um mit Amazon zu kommunizieren, gibt es nur eine Möglichkeit - man muss ein Fall- oder Antragsprotokoll eröffnen. Darauf antwortet dann zwischen 1 - 48 Stunden irgendein Hirni, mit Copy&Paste-Textbausteinen, auf das Problem wird eigentlich nie eingegangen. Ich vermute sogar, dass man mit einem Computer korrespondiert. Lässt man nicht locker, also antwortet immer wieder, so 10 - 20 mal, meldet sich mal eine Person, manchmal auch telefonisch, die auf kompetent macht. Durch die miserable Sprachverständlichkeit und das schlecht gesprochene Deutsch dieser Support-Menschen, vergeht einem nach wenigen Minuten die Lust alles wieder von vorne zu erzählen und legte irgendwann verzweifelt den Hörer auf. Es endet letztendlich eh damit: „Ogäi, isch leite weitr an hehere Stelle“. Nun wird der Fall geschlossen und man wartet auf die Lösung der höheren Instanz. Diese verweist dann auf die <Hilfe>, und/oder postet Textbausteine aus der <Hilfe>, die man eh schon stundenlang gelesen hat. Nun lässt sich dieser Fall nicht wieder öffnen und man muss ein neues Ticket aufmachen. Wohlgemerkt - es antwortet nie dieselbe Person, bzw. nie mit dem selben Namen. D.h., nie ist irgendjemand verantwortlich/zuständig, was im vorigen Fall besprochen wurde. Es ist also ein Kreislauf ohne Ende und man beginnt immer wieder von vorne. Letztendlich wurde mir mitgeteilt, dass mein Artikel nicht geändert werden kann, obwohl er sich am Lager befindet. Punkt - basta. Ich konnte es immer noch nicht glauben, dass meine Bücher, die ich erstellt habe, die ich drucken ließ, die nur ich verkaufe, bzw. nur ich wissen kann, wer sie weiterverkaufen könnte, nicht bei Amazon zum Verkauf angeboten werden können. Das zieht sich nun seit Oktober 2018.

Sendungen an Amazon

Wenn der Lagerbestand bei Amazon zu Ende geht, wird man aufgefordert diesen aufzufüllen. Man erstellt also ein Sendung, die dann irgendwo an einen der Amazon-Standorte, durchaus auch mal Polen, verschickt wird. Nach ein paar Tagen wird die Ankunft der Sendung bestätigt. Es ist öfters der Fall, dass dann ein oder mehrer Artikel nicht verkäuflich sind wegen Beschädigung. Hallo - ich verschicke meine Bücher immer in extra gekauften Bücher-Kartons, die alle Buchhändler etc. verwenden. Auch sind meine Bücher direkt aus der Druckerei in einwandfreiem Zustand. Anyway. Nun gibt es zwei Optionen: a) Will man die Ware zurück haben, oder b) soll sie vernichtet werden. Die Rücksendung kostet natürlich Porto. Die Ware wird schlecht verpackt zurückgesendet, bzw. kommt hier in einem grausamen Zustand an, dass sie nun wirklich nirgendwo mehr zum Verkauf angeboten werden kann. Verzichtet man auf die Rücksendung, kann es schon passieren, dass in wenigen Tagen irgendein Anbieter genau dieses, mein Buch, bei Amazon günstig „gebraucht“ anbietet. Vielleicht war es in meinem Fall auch nur Zufall.

Geschäftspraktiken bei Amazon

Logischerweise ist nichts umsonst. Dass Amazon für seine Dienste sich entlohnen lässt, ist verständlich. Inzwischen ist der Anteil der Marketplace-Händler auf 68% des Gesamtumsatzes gestiegen. Amazon macht also über zwei Drittel seines Umsatzes mit Drittanbietern, die kräftig durch Abgaben, Gebühren und sonstigen Schikanen (quasi Miete plus Mietnebekosten) zur Kasse gebeten werden. Für jeden Button-Klick verlangt Amazon eine Gebühr. Es gibt zwei Möglichkeiten als „Kleiner“ bei Amazon zu verkaufen: 1) Die Artikel werden bei Amazon in der entsprechenden Kategorie nur gelistet. Die Bestellungen wickelt man dann selbst ab und verschickt die Ware direkt an den Kunden. Nachteil - man muss sich mit dem Kunden rumschlagen, nach Amazon-Vorgaben, also auch Rücksendungen entgegennehmen und man ist mit seinem Artikel im Ranking ganz weit hinten, mit anderen Worten, man wird überhaupt nicht gefunden und verkauft dadurch quasi gleich null 2. Die andere Möglichkeit ist Versand durch Amazon: man sendet eine bestimmte Artikelanzahl an eines der Auslieferungslager von Amazon, alles Weitere, also Versand, Rücksendungsabwicklung wird dann von Amazon erledigt. Diese Variante lässt sich der Mogul aber ordentlich was kosten. So sind neben der Verkäufergebühr noch folgende Gebühren fällig:

Titel: Flamenco Guitar Technics Vol. 2: Picados - Escalas - Ligados
Verkaufspreis: 15,90 €
Amazon Verkaufsgebuehr: (Std DE Domestic) 4,84 €
Std DE Domestic Versandkostenzuschuss: 3,00 €
Amazon Verkaufsgebuehr: (Exp DE Domestic) 6,41 €
Exp DE Domestic Versandkostenzuschuss: 13,50 €
Amazon Verkaufsgebuehr: (Std DE EU) 4,84 €
Std DE EU Versandkostenzuschuss: 3,00 €
Amazon Verkaufsgebuehr: (Std DE Europe) 6,34 €
Std DE Europe Versandkostenzuschuss: 13,00 €
Amazon Verkaufsgebuehr: (Std DE-ROW) 6,71 €
Std DE-ROW Versandkostenzuschuss: 15,50 €
Zustand: Neu

Schickt man eine große Anzahl von Artikeln in einer Sendung an das Auslieferungslager, spart man zwar Porto. Wenn aber die Artikel nicht in einem bestimmten Zeitraum verkauft werden, verlangt Amazon kräftig Lagergebühren. Egal was man macht - Amazon ist immer der Winner.

Ende - Schluss - aus!

Letzte Woche war mir dann alles zu blöd. Ich hatte keine Lust mehr mich mit dieser neokapitalistischen Krake auseinander zu setzen. Zumal mir dieser Mogul eh gegen denn Strich geht und im Grunde genommen will ich sowieso keine Geschäfte machen mit Personen, oder Firmen, deren Praktiken ich ethisch gar nicht vertreten kann. Egal ob einkaufen, oder verkaufen. 

Seit letzte Woche versuche ich nun mein Konto aufzulösen. Zuerst sagte mir ein Alert, dass ich noch 1,19 € zu begleichen hätte. Okay - ich versuchte dies mit meiner bei Amazon hinterlegten Bank, auf die mir immer meine Verkäufe überwiesen wurden. Dies war nicht möglich. Das Problem ist, dass bei einer Fehlermeldung nie empfohlen wird, was zu tun ist, oder der Alert eine Lösung anbietet. Also wieder schreiben. Nach Tagen hin und her wurde mir mitgeteilt, dass dies nur mit Kreditkarte ginge, sonst könnte ich mein Konto nicht auflösen. Also jetzt noch zum Schluß auch noch meine Kreditkarten-Daten an diese Wegelagerer schicken. Gesagt - getan. Wiederum wurde mir nun signalisiert, dass immer noch ein Minussaldo bestehe. Also wieder schreiben. Nach 3 Tagen erhielt ich die Antwort, der schon wieder drei Posts vorausgegangen sind, dass in meinem italienischen Store noch ein Minus-Saldo von 0,01 Cent bestehe, weshalb keine Kontoauflösung möglich wäre. Italienischer Store??? Da wurde mir immer nur überwiesen, was verkauft wurde. Anyway - wiederum ließ ich 0,01 Cent von meiner Kreditkarte abbuchen. Jetzt aber - endgültig Schluss! Von wegen - jetzt kommt noch ein Alert:


Fazit

Ja, ich weiss - ich bin eben nur ein kleiner Fisch. Aber dieses Haifischbecken muss ich mir nicht wirklich geben. Mal abgesehen davon, wie die Belegschaft behandelt wird, keine Tarifverträge und dass dieser Versandhandel in der EU erheblich weniger Steuern bezahlt als Connys Pommesbude am Schorndorfer Bahnhof, sollte man sich schon genau überlegen, ob man dem 100-Milliarden-Mann namens Bezos das Geld weiterhin in den Hintern schiebt. Sei es durch Kaufen, oder Verkaufen bei Amazon.

Nachtrag 02. Juli

Ich habe natürlich keinen Einfluss darauf, dass meine Publikationen, die in anderen Verlagen erschienen sind und Händler, die weiterhin meine Pubs über Grossisten beziehen, bei Amazon verkauft werden. Dagegen ist man machtlos.
 

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