Samstag, 21. November 2009

Flamencogitarre und Akustik-Gitarren-Fachverkäufer

Die Story ist wahr, die Namen sind teilweise geändert.


Heute fuhr ich mit einem spanischen Freund, Inhaber einer bundesweit agierenden Unternehmensberatung, los, um für ihn eine Verstärkeranlage zu kaufen. Domingo spielt leidenschaftlich gerne (Flamenco)-Gitarre, einfach so aus Affinität und zum Hobby. Will jetzt seine Gitarre verstärken, nicht unbedingt mit dem Pro-Equipment, aber auch nicht gerade das billigste, da das Hobby
ruhig was kosten darf. Auf der Fahrt erzählte ich ihm von AER-Verstärkern , von Mikrofonen und dass Tonabnehmer, egal in welcher Ausführung nun überhaupt nicht geht. Mag sein, dass die Hörgewohnheit, auch bei „Gitarristen“ schon so dekadent ist, dass ein Piezo-Tonabnehmer-Sound, der noch in den 70er und 80er als minderwertiger Ovation-Sound 1) abgelehnt wurde, inzwischen normal ist. Trotzdem kann ich mich nicht daran gewöhnen, da eine Gitarre, egal ob Western-, Konzert-, Flamencogitarre, eben in natura nicht so klingt, wie sie über diesen jämmerlichen, am Steg eingelegten Abnehmer klingt. Ist ja physikalisch auch unmöglich und unverständlich, wenn man sich mit der Materie ein wenig beschäftigt, w.h. sich mal überlegt, wie an einer Akustikgitarre ein Ton entsteht.
Diese Instrumente haben ein Klangkorpus, eine freischwingende Decke, die von der schwingende Saite in Vibration versetzt wird. Diese vibrierende Decke wiederum setzt Luft in Bewegung, es entstehen die berühmten Schallwellen. Nicht nur das Instrument, sondern speziell die Gitarrendecke ist ein statisches Wunderwerk, dem der Gitarrenbauer seine und die Erfahrung zig anderer aus der Geschichte des Gitarrenbaus mit einbringt. Nun kam vor Jahrzehnten ein cleverer Elektroniker auf die Idee, all das mit einem
Tonabnehmer, unter dem Stegstäbchen liegend, abzunehmen. Ich weiss wovon ich rede, da ich in den 80ern, als ich noch Inhaber eines Gitarrengeschäfts war, vielen, die Rang und Namen in der Gitarrenszene hatten, auf eigenen Wunsch zig Pick-ups in ihre Martins, Ramirez-Konzertgitarren usw. einbauen „durfte“. Diese Leute waren Vollprofis, standen täglich auf Bühne, w.h. ihre Gerätschaft hatte zu funktionieren. Nach ein paar Monaten kamen sie alle wieder um die Eumel wieder auszubauen. Man spielte wieder über ein Mikro, vor, an, oder in der Gitarre. Das Mikro vor dem Schallloch (mit dem auch Paco de Lucía gegen John McLaughlin und Al diMeola antrat - damals noch beide auf Ovations. 1) war sehr stark rückkopplungsempfindlich, klang aber am besten. Das Mikrofon an der
Gitarre, ich spielte lange Zeit ein EV-irgendwas, musste „ge-equalized“ werden, konnte aber deutlich lauter gefahren werden. Inzwischen war ich auch einigermaßen bekannt in Fachkreisen und für einige Firmen als Endorser interessant, was zur Folge hatte, dass mir die Dinger wie deByl, AKG, L.R.Baggs kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Lange Zeit spielte ich mit dem Baggs (eigentlich ein Crown-Microphon), das am Bodenbalken angeklemmt werden konnte, später dann wieder ein AKG C1000S vor der Gitarre.

Nun aber wieder zurück zu unsere Odyssee. Wir fuhren in einen „Musikermarkt“ an der Peripherie von Stuttgart. Ich warnte Domingo schon ein bisschen vor, wie die Fachverkäufer ihr Halbwissen unverblümt versuchen an den Kunden zu bringen. 2) Strengte mich aber fürchterlich an, ganz ruhig, neutral und freundlich zu sein. Tag - kann ich für Euch was tun. Ich: Ja - wir suchen für eine Nylonsaitengitarre eine Verstärkungssystem. So wie es hier klingt - vor den Acoustic-Amps spielten zwei Jungs auf einer preisgünstigen Westerngitarre - sollte es aber nicht klingen. Er erzählte uns sofort alles mögliche über Tonabnehmer, über Marshall-, Roland- und Schertler-Verstärker. Trotz mehrmaligen Hinweis, wir-wollen-keinen-Pickup ließ sich der Herr Piezotonabnehmerfachverkäufer nicht davon abbringen, uns das mantra-mäßig rüber zu reichen. Er kam mit einer Hanika-Konzertgitarre an, die schon ein eingebautes System hatte. Ich wollte weiterhin freundlich sein und spielte ein paar Töne. Gab ihm das Teil wieder in die Hand und meinte, nein, genau so sind unsere Vorstellungen eben nicht. Da mein Kenntnisstand über Piezos seiner Meinung nach aus dem letzten Jahrhundert wäre, erklärte er nochmals, dass diese Tonabnehmer, also unter dem Stegstäbchen liegend, die gesamt Decke abnehmen würde. Langsam wurde es mir zu blöd und ich fragte direkt: Gibt es eine Möglichkeit einen dieser Verstärker mit einem Mikrofon zu testen? Er: Jaaiiin - da müssten wir in die PA-Abteilung gehen. Ich: Sind in der PA-Abteilung auch Verstärker für Akustikgitarren. Er: Nein - wir müssen die dann dahin bringen. Ich: Wo ist den die PA-Abteilung? Er: Ein Stock tiefer. Er müsse aber jetzt die Kundschaft zu Ende bedienen und verschwand mit den beiden Jungs, die ihre soeben erworbene Low-Budget-China-Gitarre bezahlen wollten. Wir warteten ca. 20 Min. bis Domingo meinte, was soll das, kommt er noch mal wieder. Ich sagte „tranquilo“, warten wir noch ein bisschen. Plötzlich schwirrte er an uns vorbei, wir waren die einzigen in der Abteilung und verschwand wieder hinter einer Glastür. Das war die Pro-Abteilung - da dürfen nur Profis rein. Domingo meinte, das geht doch nicht. Nach 10 Min kam er wieder aus dieser Tür, war wohl erstaunt, dass wir immer noch da waren. Unsere Frage war immer noch dieselbe. Sie können also kein Mikrofon aus der PA-Abteilung hier her holen? Er: Nein - wir müssen mit den Verstärkern da runter. Ich: Mit allen? Er: Ja - aber er hätte keine Zeit für sowas. Domingo (zur Erinnerung - er ist Unternehmensberater) stand kurz da wie versteinert, wir drehten uns um und verabschiedeten uns.

Auf dem Weg zum Ausgang, die Treppe runter den langen Gang vor, regten wir uns noch ziemlich auf über so ein Verhalten. Die Aufregung ging aber ziemlich schnell in Amüsement über. Hinter der Ladentheke am Ausgang stand zufällig der Chef und ich konnte mir nicht verkneifen, die Bemerkung fallen zu lassen, dass dieser Akustikgitarrenfachverkäufer wohl ein Zumutung wäre. Der Chef schaute kurz auf, schwenkte seine Blick wieder hocharrogant auf die Theke - wenn ich mich richtig erinnere, sortierte er Plektren - und meinte etwas hämisch grinsend: Sowas missen mir ons Tag fir Tag ahöra! :-o Während ich Richtung Ausgang ging musste Domingo noch einen Kommentar in puncto Unternehmensführung los werden. Der Chef wollte dann wissen, wer der Verkäufer war. Wir meinten dann nur, check doch selbst, wer hier in deinem Fachmarkt wo was verkauft, oder besser nicht verkauft. Und tschüss - wir fahren jetzt in die Stadtmitte.

Gesagt getan - wir fuhren zu Hans Schweizer's „Sound of Music“, bei dem ich vor ca. 40 Jahren meine erste Fender und meinen ersten Marshall-Amp auf Ratenzahlung kaufte. Dort erzählte uns ein netter Verkäufer, nicht mehr ganz jung, auch was über Tonabnehmer, merkte aber sehr schnell, dass er damit nicht landen konnte, holte ein Røde-Mikrophon mit Ständer, stellte dasselbe vor die von mir in der Hand gehaltenen Takamine-Flamencogitarre (die in natura nicht mal schlecht klang) und steckte es in einen AER-irgendwas. Bumm - Domingo, sowie auch der Verkäufer standen da mit großen Augen. Domingo wusste nun was er kaufen musste. Wir bedankten uns beim Verkäufer, er bedankte sich noch für den tollen Sound und meinte dass er noch nie eine verstärkte Flamencogitarre so gehört hätte.

Geht doch!


1)
Nein - ich habe nicht grundsätzlich was gegen Ovation. Man kann dieses Instrument nicht mit herkömmlichen Gitarren vergleichen. Was die Bespielbarkeit betrifft, waren sie immer absolut top. Die Halsform, der Saitenzug, die Bünde, alles war immer optimal aufeinander abgestimmt. Mit ihrem parabolischem Body, der angeblichen aus einem holzähnlichen Kunstoff namens „Lyrachord“ besteht und eher einer Plastikwaschschüssel gleicht, konnte sie in klangästhetischer Hinsicht, also unverstärkt, gerade mal mit den Sperrholzgitarren aus den japanisch/koreanischen Gitarrenfabriken der 80er Jahre mithalten. Verstärkt klingt sie eben nach „Piezo“, oder „Ovation“. Wem das gefällt - o.k. Ist aber eine komplett andere Welt, wenn es darum geht, seine Martin, Washburn oder andere Dreadnoughts naturgetreu, so wie man sie tagaus tagein hört, zu verstärken.

2)
Schon im Sommer, bei meinem letzten Besuch in diesem Musiker-Spezialmarkt, behauptete ein anderer Akustikgitarrenfachverkäufer, dass alle Flamencogitarren hier (es waren tatsächlich zwei) Mahagoni-Hälse hätten, ich wies in dezent darauf hin, dass es Honduras-Zeder sei. Worauf er erwiderte, keine Gitarre auf der Welt hätte einen Hals aus Zeder, die Decken wären alle aus Zeder (ist so auch nicht ganz richtig, die meisten sind aus Fichte). Verschwand für einen Augenblick, vermutlich um zu googeln, kam zurück und meinte - tja - das Holz was verwendet wird ist wohl Cedar. Ich empfahl ihm den Abschnitt Gitarren in meiner Flamenco-Gitarrenschule zu studieren, wo u.a. zu lesen ist, dass Cedar gleich Zeder ist. Von meinen Publikationen hat er natürlich noch nie was gehört - anyway!(?) Okay - der Junge hätte vom Alter her mein Sohn sein können. Aber ihm habe ich beigebracht: „Schau erstmal was der andere drauf hat und leg dann los“. Diese Devise scheint heutzutage wohl gänzlich verschwunden zu sein.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Fiesta y Tablao Flamenco

Meine Frau Lela feiert am 14. Nov. 2009 das 10-jährige Jubiläum ihres Flamenco-Tanzstudios in der Barbara-Künkelin-Halle Schorndorf.


Zum Flamenco-Studio

Freitag, 9. Oktober 2009

Thema Spanien in Phoenix

Thema Spanien auf Phoenix

Barcelona
Rumba auf Katalanisch
"Adelante - vorwärts, Mann im 600er, die Landstraße gehört Dir!" schallt es aus dem Radio. Der Seat 600 ist klein, ungemütlich - und ein spanischer Mythos: Das Auto, mit dem eine ganze Nation fahren lernte. Gebaut wurde es in Barcelona, als Lizenzausgabe von Fiat - ein echter Italo-Katalane also, und damit ein typisches Kind seiner Stadt. Denn Barcelona ist seit jeher eine Stadt der Einwanderer. Der 600er – genau das passende Vehikel für eine Zeitreise in diese Stadt, die wie ein Schwamm Menschen, Kulturen, Sprachen und Ideen aufsaugt und darum nie austrocknet.
Sendetermine:
Sa, 10.10.09, 11.00 Uhr
So, 11.10.09, 07.30 Uhr
So, 11.10.09, 18.00 Uhr


Fiesta im Geisterdorf
Spanien flieht aufs Land
Einmal im Jahr erwacht Escó zum Leben: Dann wird in den Ruinen des kleinen Dorfes im Norden Spaniens gekocht, getrunken und gesungen. Die früheren Bewohner kommen zurück, bringen ihre Kinder und Enkel mit und zeigen ihnen, was von den Gemäuern ihrer einstigen Familiensitze noch übrig geblieben ist.
Sendetermine:
Sa, 10.10.09, 11.45 Uhr
So, 11.10.09, 18.45 Uhr

Mare TV – Galicien
Über den Jakobsweg zum Atlantik
Schroffe Felsküsten, häufig Nebel und Dudelsäcke sind nicht gerade das, was man gemeinhin mit Spanien verbindet. Die Region im Nordwesten der Iberischen Halbinsel ist für einige Überraschungen gut. Es gibt Menschen mit keltischen Wurzeln und südländischer Lebensart, Wildperde, die mit bloßen Händen gebändigt werden, einsame Inseln mit nur fünf Bewohnern und das wahre Ziel des Jakobswegs: Cabo Fisterra, das Kap an der Westküste Galiciens, das "Ende der Welt" am Atlantik.

Sendetermine:
Sa, 10.10.09, 12.15 Uhr
So, 11.10.09, 19.15 Uhr

Dienstag, 8. September 2009

Flamenco im Theaterhaus Stuttgart


Maria Serrano, „Königin des Flamenco“ ist jetzt mit ihrer „kleinen“ Schwester Alba unterwegs. Am 10. 09. findet die Weltpremiere im Theaterhaus statt.
Sofern ein dominantes Piano, wie im Promo-Video zu hören ist, nicht stört, kann die Tänzerin mit zeitgenössischem Flamenco in der Stadt bewundert werden, wo sie lange Zeit im Cortijo, dem alteingesessenen Flamenco-Live-Lokal in Stuttgart, Abend für Abend zu sehen war.

Donnerstag, 20. August 2009

Flamenco mi vida.

Di. 25. August 2009

3sat, 23.10 Uhr

Der Hamburger Filmemacher Peter Sempel folgte dem Weg des Flamenco von Sevilla über Indien bis nach Yokohama. Seine unorthodoxe Collagentechnik vermittelt kaum Fakten und Hintergründe, sondern die Emotionen und die Musik. Sempel zeigt Profis und Amateure in Bars, Tanzschulen oder auf Festivals. So entstand ein raues Roadmovie - schnörkellos und weitgehend unkommentiert.

Nachtrag 26.08.2009
Nicht ärgern, wenn der Sendetermin verpasst wurde. Sie haben nichts versäumt. Hier ein Rezension.

Montag, 6. Juli 2009

Der Flamenco-Tänzer Israel Galván

Israel Galván - Ein andalusischer Tänzer

Der Film zeigt Israel Galván bei der Arbeit. Er beobachtet, wie der Choreograph neue tänzerische Gesten erfindet und ausprobiert, wie er mit seinen Musikern und anderen Wegbegleitern - darunter sein Freund Pedro G. Romero, eine bedeutende Gestalt der zeitgenössischen spanischen Kunstszene - im Dialog steht und welche Einflüsse ihn geprägt haben.

Montag 6. Juli 2009 um 23.10 Uhr
Wiederholung am:
Sonntag 12. Juli um 06.00 Uhr und
Sonntag 19. Juli um 17.40 Uhr
(Frankreich, 2009, 53min)

Auf Arte

Freitag, 26. Juni 2009

Wieder ein Preis für Flamenco-DVD …



Zum wiederholten Mal, erstmalig 2005, erhielt ich letzte Woche eine weitere Auszeichung für Gispy Guitar - Rumba-Techniken der Flamencogitarre.

Am 19. wurde die Publikation in Berlin mit dem Comenius-EduMedia-Siegel prämiert. Mit der Auszeichnung fördert die Gesellschaft für Pädagogik und Information e.V. (GPI) jedes Jahr „inhaltlich und gestalterisch besonders wertvolle didaktische Multimediaprodukte“. Eine internationale Fachjury mit Medienexperten aus zehn europäischen Ländern hatte 170 Einsendungen von Verlagen, Software- und Bildungsinstituten begutachtet, darunter CD-ROMs, DVDs und Internetportale rund um das Thema Bildung.

Gipsy Guitar ist eine multimediale Flamenco-Gitarrenschule (Notenbuch, 2 CD-Audio und DVD), deren Lernmöglichkeiten weit über die eines normalen Lehrbuches hinausgehen. Die beiliegende DVD visualisiert mit Video- und Soundbeispielen die verschiedenen Techniken der Rumba Flamenca. Alle Schlag- und Rhythmustechniken können interessierte Gitarristen somit vis-a-vis vor dem Bildschirm, oder Computer nach- bzw. mitspielen.